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Cornelia Prana-Killing

Der erfahrbare Atem - eine nie versiegende Quelle der Entwicklung menschlicher Spiritualität (Teil III)

ATEMRHYTHMUS

Unser Atem zeigt sich in einem rhythmischen Vorgang von Einatem-Ausatem-Atempause. Die Luft, die wir einatmen, gelangt zu uns aus allen Teilen des Universums. Sie ist aufgeladen mit Energien, die von der Ausstrahlung unserer Erde und aller Weltraumexistenzen herstammen. Sie strömt in den einzelnen Menschen ein.

Das Blut des "jeweiligen Leibes" ist das Transportmittel, das die Luft in jede Zelle - in den ganzen Leib - leitet. Im Einatem empfangen wir Kräfte von außen (weibliches prinzip: Hingabe, Lassen). Unsere Körperwände weiten sich, es entsteht Raum. Dann, wenn der Ausatem erfolgt, erhält die Kraft Form (männliches Prinzip: Tat, Schöpfung, Tanz, Bewegung etc.). Durch den Ausatem ist auch die Möglichkeit gegeben, Aufgestautes, Verbrauchtes, das im Menschen beherbergt ist, hinaus zu lassen.

Durch ein herzhaftes Gähnen dürfen wir beispielsweise unsere Seele entlasten und ein tief entschlüpfter Seufzer ist auch ein Kind des Ausatems. Im Ausatem schwingen unsere Körperwände zurück. Ergänzend möchte ich noch hinzufügen: jede dieser Kräfte - sowohl die im Einatem wie auch im Ausatem gewonnenen - enthalten auch einen kleinen Anteil der anderen in sich, wie aus dem chinesischen Tai Chi-Symbol ersichtlich ist.

An dieser stelle möchte ich Abdu'l Baha zitieren:
" ... alle Glieder und Organe des Körpers helfen einander; darum gibt es Leben. Wenn in diesem wundervollen Organismus eine Trennung entsteht, wandelt sich das Leben in Tod und die Teile des Körpers zersetzen sich; ebenso waltet unter den Bestandteilen des Daseins ein wundervoller Zusammenhang und ein Kräfteaustausch, der die Ursache des Lebens in der Welt ist und die Fortdauer seiner zahllosen Erscheinungen bedingt. Wenn wir die Lebewesen und die heranwachsenden Pflanzen betrachten, sehen wir, daß die Tiere und der Mensch ihr Leben durch Einatmen der Ausdünstungen der Pflanzenwelt erhalten. Dieses Element wird Sauerstoff genannt. Das Pflanzenreich seinerseits gewinnt sein Leben von den belebten Geschöpfen durch die Substanz, die wir Kohlenstoff nennen. Kurz - die sinnbegabten Wesen fristen ihr Leben durch die vegetativen Wesen und das Vegetative fristet sein Leben durch die sinnbegabte Kreatur ... "

In der Atemruhe erlebt der Mensch die Geborgenheit, in der Kraft, die ihn trägt. Um dies wirklich erfahren zu können, ist zuvor ein vertrauendes Loslassen Voraussetzung. Gleichzeitig darf der Mensch sich bereit machen auf einen Neuanfang - das einzigartige Kommen seines folgenden Einatems!

"Leben ist Rhythmische Bewegung im ewigen Spiel des Entstehens und Vergehens aller irdischen und kosmischen Erscheinungen. In die Kraft des Rhythmus, die als die ewige Wiederkehr des Ähnlichen aus dem Urgrund allen Seins aufsteigt, sind wir mit unserem Sein eingebettet." (Ilse Middendorf, Der Erfahrbare Atem)

Am Leitseil des Atems können wir unseren Leib als Raum empfinden lernen. Der Schlüssel dazu heißt Sammeln, Empfinden, Atmen. Doch bevor ich auf diesen Schritt näher eingehen werde, möchte ich mich zunächst mal dazu äußern, was ich unter dem Begriff,Leib verstehe. Leib beinhaltet für mich Leben. Auf mich bezogen bedeutet das: Ich habe nicht nur einen Körper, sondern ich bin Leben, ich bin Leib. Körper meint für mich mehr: Stumpfe Materie, Grobstoffliches.

Im Atemleib gibt sich das Selbst zu erkennen. Es hat im Atemleib Gestalt erhalten. Dieses dynamische Kraftfeld - meinen Leib - kann ich mir dadurch erschließen, daß ich zulasse, daß Es in mir atmet. Was (wer) immer dieses Es ist, Es kann ein Gespräch mit mir führen, ermöglicht durch meine Empfindungsfähigkeit und Achtsamkeit. Dies führt uns zu unseren Grundpfeilern der Atemarbeit. Hände bzw. die Hände des Behandlers sein.

Die Sammlung ist neuro-physiologisch möglich durch die Verschaltung von Hirnrinde und Thalamus und die Fähigkeit des Thalamus, Reize auszuschalten. Mit Empfindung ist die körperliche Verfassung gemeint (ist es eng in mir oder nehme ich Weite wahr, bin ich gelöst oder plagen mich Spannungen etc.) Daß die Empfindung überhaupt in unser Bewußtsein gelangt, dafür sorgt das sensomotorische Nervensystem -Tiefensensibilität: Oberflächensensibilität und das Gamma-Nervensystem, durch Rückkopplung zur Großhirnrinde. Überall wo ich mich empfinde, setzt Atembewegung ein. Gemeint ist das natürliche rhythmische Geschehen - ein weit- und ein Schmalwerden der Körperwände zuzulassen. Durch den Einatem dehnen sich die Körperwände, durch den Ausatem schwingen sie wieder zurück. Meine unbewußte Atembewegung nehme ich nun bewußt wahr - mein augenblickliches Sein und das schenkt mir die Möglichkeit, mich für eine wandlung bereit zu halten. Eine Wandlung zu mir hin.

" Der Atem erweckt uns, nicht wir erwecken den Atem." (Fritsche) Atem, Sammeln und Empfinden hängen voneinander ab und bedingen sich gegenseitig in ständig abwechselnder Weise immer wieder von neuem. Und wenn wir so ver(er) fahren, haben wir eine Chance, daß es uns gelingt, unsere drei Hauptatemräume zu entdecken.

 

Cornelia Prana-Killing

Neutsch 87

64397 Modautal

Telefon:  06167-291

E-Mail: prana@anandaprana.de

Website: www.anandaprana.de




Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Cornelia Prana-Killing

Datum des Eintrags: 01.11.10  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.









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