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Frank Römer

Das Verstehen der Körpersprache: Faszien Distorsions Modell (FDM)

Jeden Tag versuchen unzählige Patienten, ihre Beschwerden Ärzten und Therapeuten zu zeigen und zu erklären. Oft scheitern ihre Versuche daran, dass Sie von ihrem Gegenüber nicht verstanden werden. Ärzte vertrauen lieber vom MRT gestellten Diagnosen, Osteopathen suchen den Fehler an entfernten Körperteilen, Physiotherapeuten arbeiteten zwar meist an der richtigen Stelle, aber leider zu häufig mit den "falschen" Techniken.

Mit dem so genannten Faszien Distorsions Modell (FDM) jedoch ist ein Therapeut sofort in der Lage, durch das Zusammenfügen von Körpersprache und der verbalen Schmerzbeschreibung des Patienten eine entsprechende Diagnose zu stellen.

Der Entdecker und Entwickler des Modells war Stephen Typaldos, ein amerikanischer Notfallmedizinier und Osteopath. Ihm fiel auf, dass seine Patienten immer wieder die gleiche Körpersprache benutzten. Daraufhin entwickelte er das FaszienDistorsionsModell (FDM), in dem sich die Diagnose aus den klinischen Befunden und der Körpersprache des Patienten ergibt und eine gezielte Therapie eingeleitet werden kann.

Typaldos entwickelte sein System immer weiter, so dass heute sechs verschiedene Dysfunktionen bekannt sind und behandelt werden. Die Ergebnisse, die mit dem Modell erzielt werden, sind für Patienten sowie Therapeuten absolut faszinierend.

Fasziale Behandlungen gewinnen in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung. Von der Forschung bisher vernachlässigt, von Anatomen schlicht entfernt, führten Faszien eher eine Nebenrolle in der Medizin. Lediglich das Rolfing sowie Teile der Osteopathie haben sich seit jeher diesem bindegewebigen Netzwerk gewidmet. Mittels des FDM stehen Therapeuten nun vor einer Revolution im Verständnis und der Behandlung von Schmerzen am Bewegungssystem. In vielen Bereichen wie der visceralen Osteopathie oder der Neurologie steht das FDM erst am Anfang seiner Möglichkeiten.


Die wichtigsten Informationen über Faszien

1. Faszien spielen im Körper eine Vermittlerrolle zwischen Muskeln und Knochen. So sorgen sie für mehr Stabilität als Muskeln, aber gleichzeitig auch für mehr Mobilität als Knochen.

2. Fasziales Gewebe finden wir in allen Teilen unseres Körpers. Selbst jede einzelne Zelle wird von einer Faszie umhüllt. Würde es uns gelingen, den Inhalt der faszialen Umhüllungen zu entfernen, so würde trotzdem eine exakte Hülle des Menschen bestehen bleiben.

3. Dr. Robert Schleip (Uni Ulm) hat nachgewiesen, dass Faszien kontraktielle Elemente enthalten. Dies führt bei andauerndem Stress über das autonome Nervensystem zu einer Erhöhung des faszialen Tonus, welches wir dann als Spannung und Steifigkeit spüren.

4. Faszien kann man zu den Sinnesorganen zählen. Sie enthalten mehr Nervenfasern als beispielsweise unsere Haut oder Augen. Daher führt eine Störung in der Faszie auch zu zum Teil sehr starken Schmerzen.

5. Über fasziale Ketten werden Spannungen im ganzen Körper verteilt. Physiologisch dient dies dazu, auftretende Kräfte durch Verteilung abzuschwächen. Pathologisch kommt es durch Restriktionen an einer Stelle zu einer Fehlspannung an einem möglicherweise weit entfernten Körperteil.

6. Faszien unterstützen die Muskulatur bei Kontraktion. Sie halten den Muskel in seiner Form und bieten ihm ein Widerlager zum Kraftaufbau. Durch Vordehnung speichert die Faszie Energie, welche bei Bewegung dann zusammen mit dem Muskel frei gegeben wird (siehe Sperwerfer).

Stephen Typaldos D.O. entdeckte nun 6 verschiedene Störungen innerhalb der Faszien des Bewegungsapparates:

  • 1. Triggerband
  • 2. Continuum Dysfunktion
  • 3. Hernierter Triggerpunkt
  • 4. Zylinder Dysfunktion
  • 5. Falt Dysfunktion
  • 6. Tektonische Fixation


Beim Patienten können sowohl nur eine als auch alle sechs Dysfunktionen vorliegen. Eine dieser Störungen, das sog. "Triggerband" sei hier beispielhaft erläutert.


Die Triggerband-Störung

Bei einem Trauma kommt es zu einer Verdrehung bzw. Aufspaltung der Faszienschicht, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Faszien sind im Körper immer so ausgerichtet, das sie die auftretenden Kräfte entsprechend ableiten können. Tritt nun eine Kraft auf, die nicht in dieser Richtung, sondern entsprechend quer zum Faserverlauf auftritt, kann es zu einer Aufspaltung der Faszie kommen.

Die Patienten berichten über einen ziehenden, brennenden Schmerz, welchen sie mit mehreren Fingern entlang einer Linie zeigen. In der klinischen Untersuchung finden wir eine Bewegungseinschränkung durch die Verkürzung des Triggerbandes, einen Kraftverlust sowie eine Verminderung von Stabilität und Koordination.

Die darauf folgende Therapie ist das Entdrehen der entstandenen Verdrehung bzw. das Aneinanderfügen der getrennten Faszien. Dies geschieht mit Hilfe des Therapeuten-Daumens, der dem vom Patienten gezeigten Verlauf mit viel Druck und Genauigkeit folgt und somit die Störung beseitigt. Nach dem Verschließen ist die Faszie so gut wie vor dem Trauma.

Eine weitere Möglichkeit für die Entstehung einer Triggerband-Störung ist die Kalzifizierung der Faszie entlang einer Stresslinie. Man geht davon aus, dass die Belastung, der der Patient ausgesetzt ist, eine stabilere Faszie erfordert. Um dies zu gewährleisten, wird das Bindegewebe in diesem Spannungsbereich mit Kalzium verstärkt. Bei der Kalzifizierung führt die gleiche Triggerband- Therapie dazu, dass das eingelagerte Kalzium wieder aus der Faszie heraus gelöst wird. Oftmals ist hier eine mehrmalige Behandlung notwendig, bis der Patient schmerzfrei ist. Ebenso sollte man dafür sorgen, dass die an dieser Stelle auftretende, unnötige Spannung aufgelöst wird, um eine erneute Kalziumeinlagerung zu verhindern. Hier bieten myofasziale Stretching-Methoden eine gute Möglichkeit, das gewonnene Bewegungsausmaß zu erhalten.


FDM bei Patienten mit chronischen Schmerzen

Durch das FDM bekommt der Begriff "Chronischer Schmerzpatient" auch eine völlig neue Bedeutung. Bisher galten diese Patienten als "unheilbar". Das FDM sieht chronifizierte Schmerzen mit einer anderen Sichtweise.

Bei chronischen Schmerzen kommt es zu einer Verklebung der Aufspaltung des Triggerbandes mittels Crosslinks. Aufgrund meist übertriebener Ruhigstellung und Schonung entstehen hierbei aber nicht nur physiologische Crosslinks, sondern es werden Strukturen miteinander verbunden, welche nicht zusammen gehören. Dies führt zu noch mehr Schmerzen und einer noch größeren Bewegungseinschränkung.

Durch eine gezielte Behandlung mittels Triggerbandtechnik werden zuerst die Adhäsionen gelöst, was zu Hämatomen und zu einer Schmerzzunahme führt. Diese wiederum birgt das Potential zur Heilung, da aus einer chronischen Dysfunktion ein akutes Triggerband gemacht wurde. Bei einer zweiten und dritten Behandlung wird dann mittels der gleichen Technik dieses Triggerband verschlossen und der Patient ist wieder schmerzfrei. Nach der Behandlung wird der Patient aufgefordert, sich zu bewegen und zu testen, ob die vormals noch schmerzhafte Bewegung nun schmerzfrei ist.


Fazit

Das Modell der "Faszien Dysfunktionen" konnte bisher wissenschaftlich nicht belegt werden. Die zum Teil überragenden Heilungserfolge jedoch geben jedem FDM Therapeuten Recht und stellen viele bisherige Therapien und Methoden in Frage. So kann beispielsweise die Theorie, dass Muskeln verkürzen, nicht mehr gehalten werden, da eine seit mehr als 2 Jahren "steife Schulter" innerhalb einer Behandlung ihr volles Bewegungsausmaß wieder erreichen kann.

Nach dem Erlernen und Verstehen des Modells ist jeder Therapeut in der Lage, seine bisher erlernten Therapiemethoden gezielter einzusetzen und seine Erfolgsquote dadurch deutlich zu erhöhen. Und es gelingt uns jetzt auch, den Patienten bei der Beschreibung seiner Beschwerden dank seiner Körpersprache zu verstehen.

Das FDM stellt eine Revolution im gesamten medizinischen Bereich dar. Lassen Sie uns daran arbeiten, bisherige Modelle zu überdenken und zu verbessern, neue Dysfunktionen zu erkennen und vor allem für jeden Patienten die richtige Therapie zu finden. Aus dem Gebiet der Faszialen Forschung werden wir in den nächsten Jahren viel neue Therapieansätze bekommen. Diesen sollten wir uns nicht verschließen.

Institut für Fasziale Osteopathie, Wolfenbüttel
http://www.institut-fasziale-osteopathie.de

 

 




Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Frank Römer

Datum des Eintrags: 27.09.10  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.


















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